Die Krimihomepage | Der Alte | Folge 003 | Der Alte schlägt zweimal zu

Inhalt

Hintergrund

Besetzung & Aufnahmestab

 

Episodenübersicht

Köster (Folge 1-100)

Kress (101-322)

Herzog (322-365)

Voss (ab Folge 366)

DER ALTE

Folge 003

Der Alte schlägt zweimal zu

Erstsendung (ZDF): 01.05.1977

Inhalt Info & Kritik

Der verheiratete Eric Finberg, ein Spediteur, hat seine Geliebte, die Polin Vanessa in die BRD gebracht und möchte sie nun heiraten ehe ihre Aufenthaltsgenehmigung ausläuft. Das Problem ist, dass seine Ehefrau sich nicht scheiden lassen will. Als Frau Finberg kurze Zeit später spurlos verschwunden ist, schaltet sich Hauptkommissar Köster in die Ermittlungen ein. Er vermutet, dass Eric seine Ehefrau umgebracht hat und versucht es auf unkonventionelle Weise zu beweisen ... (Text © GP, Die Krimihomepage)

Info: Diese Folge, mit der Produzent "Mal neue Wegen gehen" wollte (so in Gong (15/ 1977, p. 17) erregte großes Aufsehen seitens der Polizei (man forderte sogar die Absetzung der Serie!), weil sich Kommissar Köster bei seinen Ermittlungsmethoden nicht immer im Rahmen der Legalität bewegte. So benutzte er u.a. zur Überführung des Täters ein gefälschtes Tonbandgeständnis. Die Schweizer Polizeibeamten fühlten sich in ihrem Ansehen beschmutzt. Der Österreichische Rundfunk verweigerte die Ausstrahlung der Folge und man forderte gemeinsam, die Drehbücher zur Serie vor der Ausstrahlung genau zu prüfen.
Der Film weckte große Proteste seitens der Polizei, da diese in dem Film angeblich in ein besonders schlechtes Licht gerückt werden. Eine Hundertschaft, so berichtet Hörzu (23/ 1977) der Bereitschaftspolizei in Bruchsal schrieb einen Brief an Lowitz: "Wenn der Polizeidienst auch nur an einem einzigen Tag so aussehen würde, wie Sie ihn darstellen, würden wir noch heute unsere Uniform ausziehen".
1992 wurde die Folge im ZDF gekürzt wiederholt, im Juli 2003 erlebte die durchaus gelungene Episode auf 3sat erstmals eine vollständige Wiederholung. Die Folge wurde nicht ins Ausland exportiert, wodurch sich dort die Zahl von Kommissar Kösters Fällen von 100 auf 99 reduziert. Zwei weitere Regiearbeiten José Giovannis für die Reihe wurden aus diesem Grund nicht realisiert. Der Grund für die Proteste war: Köster erpresst ein Geständnis mit Hilfe einer gefälschten Tonbandaufnahme; Heymann lässt sich beim Liebesspiel mit der Geliebten des Mordverdächtigen fotografieren, damit diese Aufnahmen dann Druckmittel benutzt werden können; Mordverdächtiger und Freundin werden durch eine Scheinentlassung gegeneinander ausgespielt; der Mörder wird mit Handschellen an die Heizung gefesselt. Die Polizeigewerkschaft lief Sturm ("Das ist Volksverdummung! Bei uns müsste jemand mit solchen Methoden den Dienst sofort quittieren!" (Bild+ Funk 21/1977, S. 12)) und SRG und ORF strahlten die Folge gleich gar nicht aus, drohten sogar mit dem Ausstieg aus der Koproduktion. Im Burgenland gab es daraufhin eine Pressekonferenz, bei der man verkündete, in Zukunft die Bücher exakt zu prüfen. Regisseur José Giovanni ("Ich habe dieses Drehbuch nicht geschrieben, um Polizisten zu diskreditieren!") hatte wie gesagt zwei weitere Bücher vorbereitet, die er aus Freundschaft zu Ringelmann geschrieben hatte. Wie er Bild+Funk (21/ 1977, S.12) erklärte, war die Zusammenarbeit mit Team, Schauspielerin und technischem Stab hervorragend.: "An mir soll eine weitere Zusammenarbeit nicht scheitern. Ich bedaure nur, dass die deutschen Kriminalbeamten mich für etwas anklagen, das ich nicht getan habe" sagte erd damals. Auf die Kritikpunkte angesprochen erklärte er, dass er vollkommen zu seinem Drehbuch stehe, weil diese Druckmittel angeblich überall angewendet werden.

Der Hauptdarsteller über den Regisseur:
"Von José Giovanni, dem französischen Autor und Regisseur, erhoffe ich mir einiges. Der kann in Bildern erzählen", so Lowitz zu Hörzu (20/ 1977).
Produktionsreihenfolge: 4. produzierte Folge.
Siegfried Lowitz zur Kritik an der Folge (erschienen in Gong 21/ 1977, p. 5): „Was mich bei dem Wirbel, der entstanden ist, am meisten wundert, ist, dass ganz offensichtlich sogar von der Presse Drehbuchautor und Darsteller des ‚Alten’ zusammengeworfen werden. Auf die Dramaturgie und den Handlungsablauf der Drehbücher habe ich nun einmal keinen Einfluss, nicht einmal ein Einspruchsrecht. Das gilt auch für das Drehbuch und die Regie von José Giovanni, ohne Zweifel ein brillanter und international anerkannter Regisseur. Schließlich wirft die Kritik ja auch dem ersten Geiger in einem Orchester nicht vor, dass ihr die Sinfonie missfällt. Der Geiger spielt die Noten und weiter nichts. Dass ich die Noten richtig spiele, ist mir von Zürich bis Hamburg und von München bis Berlin bei den ersten Folgen bestätigt worden. Es ist meine Überzeugung, dass ich die Rolle des Kommissar Köster sympathisch gestalte; dieser Kommissar hat Humor, hat Phantasie und er ist beileibe nicht dumm. Ich kann diese Rolle umso lieber spielen, als ich ein Bewunderer der Arbeit der Polizei bin. Ich weiß darum, wie schwer sie ist. Und ich bin mit meinem Produzenten, Helmut Ringelmann, darin einig, dass es niemals unsere Absicht ist, die Polizei zu diskreditieren und herabzusetzen. Allerdings angesichts der, wie ich meine, doch recht überzogenen Kritik, muss man sich fragen: Wie ist das eigentlich mit der Freiheit der künstlerischen Gestaltung? Kann man Autoren vorschreiben, wie sie schreiben, wie sie Regie führen sollen? Natürlich bin auch ich der Meinung, dass der Kommissar Köster, so unkonventionell er auch im Einzelfall handeln mag, immer im Rahmen der Gesetze bleiben muss. Im übrigen bin ich der Meinung meines Münchner Freundes Sigi Sommer: ‚Wenn der Fall Lowitz Schule machen würde, müsste die britische Königin jedes Mal, wenn im Münchner Residenztheater Maria Stuart gespielt wird, die diplomatischen Beziehungen zum Intendanten abbrechen’".
Kritiken aus Hörzu 21/ 1977:
Das darf doch wohl nicht wahr sein! Beamte machten sich lustig über eine Mutter, die in ihrer berechtigten Sorge um die Tochter von ihnen Hilfe erwartet (E. S., W.) ///
Ein im Dienst Bier trinkender Kommissar und die Intimaffäre eines Kripoinspektors mit einer unter Mordverdacht stehenden schönen Frau sind nicht realistisch! (H. J., B.) ///
Es ist fraglich, ob dieser Einsatz des "Alten" noch zu den legalen kriminalistischen Mitteln zählt. (H. S., E.) ///
Unzucht im Dienstauftrag, Lug und Trug mit Hilfe der Technik. Hat Siegfried Lowitz so etwas nötig? (W. D. W., G.) ///
Ich bin schockiert über die Methoden des "Alten"! (E. N., M.) ///
Die Krimiserie ist eine öffentliche Diskriminierung unserer Polizei. (R. S., B.) ///
Der "Alte" schlägt der deutschen Rechtsordnung ins Gesicht! (P. B. K., Kriminalbeamter, K.) ///
Kritiken aus Hörzu 22/ 1977: Würde in der Realität so gehandelt, könnte ich nur sagen: gute Nacht, Rechtsstaat! (P. A., W.) ///
Fernsehkrimis haben sich noch nie durch besondere Realitätsnähe ausgezeichnet. Das kann hingenommen werden, sofern die Fernsehkommissare nicht elementare Rechtsverstöße begehen. In der Folge "Der Alte schlägt zweimal zu" hat Kommissar Köster rechtswidrige Vernehmungsmethoden angewandt und äußerst unsaubere Ermittlungshandlungen vorgenommen. Bei der deutschen Polizei hätte das zu Disziplinarmaßnahmen geführt. Ich schlage vor, den "Alten" von seinen Pflichten zu entbinden. (E. D. S., Polizeirat, K.)

Besetzung Aufnahmestab
Erwin Köster Siegfried Lowitz
Gerd Heymann Michael Ande
Martin Brenner Jan Hendriks
Vanessa Loumi Jacobesco
Eric Finberg Michael Robin
Frau Finberg Eleonore Noelle
Mutter Finberg Brigitte Horney
? Uli Steigberg
Harald von Köppele
? Bert Laurin
? Peter Montis
? Evelyn Palek
? Claudius Seth
? Michael Jacot
Buch José Giovanni
Regie José Giovanni
 
Musik Peter Thomas
Kamera Walter Bal
Anne-Claire Khriponnoff
Ton Ludwig Langecker
Schnitt Jacqueline Thiedot
Regie-Assistenz Jean Couturier
Aufnahmeleitung Hartmut Koldeway
Etta Gumpelmayr
Maskenbildner Alfred Rasche
Traute Koller
Kostüme Paul Seltenhammer
Bauten Wolf Englert
Jochen Schumacher
Produktionsleitung Klaus Stapenhorst
Herstellungsleitung Gustl Gotzler
Redaktion Peter Renfranz
Hergestellt durch die Neue Münchner Fernsehproduktion
Gesamtleitung Helmut Ringelmann
im Auftrag von ZDF, ORF, SRG

Diese Seite wurde zuletzt bearbeitet am: 08.08.2013

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